Freiberger "Alte Dynamit"

 Bergbaulicher Erkundungsweg

 „SAXONIA-Muldenhütten-Alte Dynamit  - Auf den Spuren des Silbers“

 Bericht vom 08. Mai 2010:

 Die Führung wurde von „Freiberger AGENDA21 e.V.“, dem Fremdenverkehrsverein,  dem  Erzgebirgszweigverein und der Stadt
 Freiberg  organisiert – dazu gibt es einen Flyer für 1€.

 Dieser Flyer stellt die Route gut dar. Wer allerdings Informationen haben möchte, wird eine  Führung für wesentlich besser
 empfinden, so wie ich und  die anderen Teilnehmer dieser  gelungenen Veranstaltung.
 Diese Tour wurde von mir mit Ergänzungen versehen, die so nicht in 
der  Führung enthalten waren.

 

 Beginn dieser Tour war  9:30 Uhr am Aufsteller „Bergbau“ am Parkplatz „Eherne Schlange“.
 Schon dieser Treff beginnt auf dem ehemaligen Schacht „Eherne Schlange“, unweit des Schachtes
 „Methusalem“. Allerdings ist davon nur der Standort benannt, zu sehen gibt es nichts mehr.
 Vom „Methusalem“ steht an der Dresdner Straße noch das Huthaus.

 Von hier aus sieht man zum Maukschen Gut und vor dem Hotel „Silberhof“ auf den leeren Platz,
 wo früher das „ABC“ gestanden hat. Beide gehörten früher zu einem Gut, das mit seinen Tieren 
 und Getreideprodukten, aber auch mit den Pferden den Bergarbeitern eine Grundlage für das 
 tägliche Leben gaben.

 

Zwischen Kreisverkehrsausfahrt Wernerplatz und Netto gab es einmal den "Jungen Kuhschacht“.
Evtl. Kuh, weil die Bergleute mit kleiner Landwirtschaft in Richtung Zug ihre Kühe zum weiden geschafft haben.

 

Es geht über die Silberhofsstrasse weiter. Darunter liegt ein abgedeckter Kunstgraben. Dann kreuzt die Schönlebestrasse, eine Straße mit vielen Gebäuden im Jugendstil. Danach kommen wir zur Halde vom 6. Maßschacht des Turmhofschachtes.
Der 5. Maßschacht liegt zwischen den Gleisen der Dresdner Bahn.
Am Turmhof-Richtschacht an der Dresdner Straße funktioniert im Verborgenen noch ein Wasserrad.
Hinter dem Gut Turmhof bemerkt man die Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war vor mehr als drei Jahrhunderten das Berggebäude „Turmhof“ gangbar, welches zu den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und in seinen Anfängen vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs zurückreicht.

Es gibt hier weitere Informationen:

Jedermann konnte seit dem ersten Silberfund seinen „Claim“ zur Silbersuche abstecken. Er war 7 Lehen groß.
1 Lehen = 7x7 Lachter, 1 Lachter = 2 Meter. Somit war der Claim 1372 Quadratmeter groß.
„Stehender“ bedeutet Gangrichtung von Norden nach Süden (0°-45° N-S bis NO-SW).
Analog dazu Morgengang (45° - 90° O-W bis SO-NW) und Spatgang (90° - 135° O-W bis SO-NW).  
Zwischen 135° und 180° oder N-S bis NW-SO sagt man Flacher Gang.

Wir erreichen den Bertholdsweg. Er war früher Kohlenweg für Holzkohle aus Tharandt bzw. Steinkohle aus Freital

Am St. Peter-Schacht erfahren wir: Hier ist die Kreuzung zwischen Hohe-Birke-Schacht von Zug und Turmhof-Schacht.
Vom Turmhof gab es eine Verbindung zum „Oberen Neuen Geschrei“ dem 9. Lichtloch des Rotschönberger Stollens.

 

Wir erhalten erläutert: Rösche ist eine Wasserdurchführung im Berg. Sie hat zwei Mundlöcher, ein Schacht hat nur eins. Ist die Rösche nicht im Berg, wird sie nicht Rösche, sondern Kunstgraben genannt.
Über den Stangenweg entlang der Bahnlinie nach Dresden, vorbei an der Bahnüberführung des Himmelfahrter Kunstgrabens gehen wir ins Tal.
 Vorbei am Werner-
 Kunstgraben, der hier 
 2 Mundlöcher  zeigt
 und den
 Morgenstern-Schacht 
 bedient, geht es zum 
 Mundloch des
 Abschlagwassers 
 dieses Kunstgrabens ins Tal der Freiberger Mulde.

 Links steht vor dem, als Weltkulturerbe vorgesehenen alten Hütten-
 komplexes, die Münze von Muldenhütten. Von 1887 bis 1953 war die
 
Sächsische Staatsmünze (Münzzeichen E) in Muldenhütten ansässig.
 DDR-Münzen wurden mehrheitlich in Berlin geprägt und hatten
 demzufolge das  Münzzeichen „A“. Einzige Ausnahme bilden die bis
 1953 in Sachsen geprägten Münzen, die ein „E“ erhielten.


Muldenhütten ist der älteste, noch in Betrieb befindliche Hüttenstandort Deutschlands.

1892 wurde eine Dynamitfabrik eröffnet. Dynamit besteht aus 75 % Glyceroltrinitrat (volkstümlich „Nitroglycerin“ genannt) als explosiver Komponente, 24,5 % Kieselgur als Trägermaterial und 0,5 % Natriumcarbonat (Soda) als chemischem Stabilisator. Da Glycerintrinitrat extrem brisant ist und bereits bei leichteren Schlägen und Erschütterungen explodiert, kam es regelmäßig zu verheerenden Unglücken. Deshalb eine ungewöhnliche Erzeugung, die wir noch sehen sollten.  

Auf der Gegenseite des Hanges hat man einen guten Überblick auf den Muldenbogen und die Schlackehalden.
Über die Bahngleise gelangt man zur Flugstaubdeponie namens Otto-Halde, nach dem letzten Generaldirektor des
VEB Bergbau- und Hüttenkombinates „Albert Funk“ benannt.
 Diese sollte man im September sehen, wenn die sich dort angesiedelte Heide blüht.
 Den Birkenweg weiter gelangt man zu Einstürzen (Pingen)
 und Graberesten von 1945, wo die Russen hier nach Uran suchen ließen.
 Am Rastplatz „3 Bänke“ geht es dann nach links weiter. Hierher kommen
  wir später wieder zurück und gehen dann nach rechts.

 Wir erreichen eine Kreuzung. Links geht es nach Hilbersdorf, geradeaus
  kommt man über Niederbobritzsch nach Freital (Kohleweg) und rechts
  geht es nach Oberbobritzsch und später auf den Radweg nach 
  Weissenborn. Nach rechts kommen wir zu unserem Wendepunkt, dem
  Theodor-Richtschacht vom ergiebigen
  „Friedrich am Rammelsberg“-Schacht.

 

Zurück und am Abzweig zu den 3-Bänken vorbei, liegen links einige Erdwälle und Betoneingänge, die man eigentlich übersieht. Es sei denn, man weis, was dort verborgen liegt: Die ehemaligen „Einzelarbeitsplätze“ der dezentralen Produktion der „Alten Dynamit“. Früher mit Balken überdacht, arbeiteten dort wegen der Explosionsgefahr maximal

2 Personen. Hinter einem Erdwall kam dann der nächste Arbeitsplatz usw..

Der Dynamit-Rundweg schließt sich nach der Verladerampe der alten Bahnanlage

und an der Infotafel „Alte Dynamit – Hauptwerk 1882-1932“.

 

Bei herrlichem Frühlingswetter gehen wir auf bekanntem Weg zur Mulde zurück.

 

Von hier aus geht es die Fahrstraße nach Freiberg entlang, zwischen der Freiberger 
Mülldeponie und der Saxoniadeponie hindurch. 
Hier gab es viele Altbergbauhalden. Erhalten ist noch andeutungsweise der
Schacht Morgenstern-Neuschacht. Dann gehen wir am Praktiker vorbei auf den
Knappenweg.

 

Dort steht ein Hinweisschild auf den Himmelfahrtkunstgraben, der hier abgedeckt
die Straße unterquert und zum Turmhofschacht weiterführt.

Geht man östlich weiter, so kommt man an einen Stolleneingang am Fuße der Abraumhalde des Turmhofschachtes. Hier kann man auch zu den kläglichen Resten der Übertageanlagen emporsteigen. Allerdings konnte ich keine Hinweistafel finden, die auf den Schacht hindeutet oder dessen lange Geschichte beschreibt. Ich denke, dass man durch den Stollen zum Fahrt in die Tiefe gelangen würde, wo das 10 Meter große Wasserrad noch funktionstüchtig sein soll.

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir gehen allerdings an der Frauensteiner Straße entlang zurück zum Startplatz unserer 12 km langen Tour. 
Dafür haben wir 4 Stunden benötigt, jede Minute war für uns erkenntnisreich.

Ich kann diese Tour sehr empfehlen. 

                       Glück Auf!

                   

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