Freiberg Roter Graben

Bericht von der Tour vom 12. Juni 2010 unter Leitung von Herrn Börner

Ab Obermarkt durch die Enge Gasse zum Buttermarkt, weiter durch die Nikolaigasse, die Berggasse und die Pfarrgasse führt uns der Weg zum Donatsturm.
Gleich am Beginn der Himmelfahrtsgasse finden wir im Hinterhof der ehemaligen Gaststätte „Berglöckchen“ das Huthaus  „Segen Gottes Schacht“ aus dem Jahre 1500.
Wir überqueren die Gleise am ehemaligen Ostbahnhof, dem Bahnhof zum Verladen der Erze. Diese Bahnlinie führte einmal nach Halsbrücke. Wir gelangen zum Komplex „Abraham  
Schacht“.  

Das Gebäudeensemble ist noch vollständig erhalten, aber die Nebengebäude für Bergleute und Steiger werden wohl endgültig verfallen. Um die Hauptgebäude bemühen sich verschiede Eigentumsträger. Hier erfahren wir, dass ein Bergmann in einer Schicht 30 Eisen abarbeitete, die dann vom Bergschmied wieder hergerichtet werden mussten. Für 30 Bergleute musste ein Schmied die Eisen erneuern. Wir sehen die Brücke zwischen Förderhaus und Scheidebank. Hier wurde das Gestein hinüber gefahren und aussortiert und vorzerkleinert. Das taube Gestein kam hier auf die Halde, das erzhaltige kam auf eine Rutsche nach unten.
       
 
Am Fuße der Halde sehen wir einen Tunnel. Durch ihn wurde mit der Pferdeerzbahn das Erz vom „Thumhof Schacht“ hierher gebracht und zur zentralen Aufbereitung weitergeleitet. Gleich daneben sehen wir das zugemauerte Loch der Erzrutsche. Hier standen früher die Hunte und wurden durch eine Klappe gefüllt und zur zentralen Aufbereitung gebracht. Wir sehen heute noch das ehemalige Gebäude der Freiberger Porzellanfabrik. Bis 1913 stand dort die zentrale Aufbereitungsanlage der beiden Schächte und vom „David Schacht“  bzw.  der „Reichen Zeche“. Die Abfälle dieser Aufbereitung kamen auf die Schämmhalde hinter dem Davidschacht. Die stark wasserhaltigen Schlämme setzen sich in Absetzbecken ab. Das Wasser floss in die Freiberger Mulde ab, der abgesetzte Schlamm füllte den Teich auf. Das nun saubere Erz wurde auf den Davidschacht gebracht und dort in ein „Loch“ gekippt.

Wir gehen links am Erzteich vor der „Porzelline“ entlang und überqueren die „Halsbrücker Bahnlinie“. Dann nehmen wir den Weg zur „Reichen Zeche“. Vor der Halde gehen wir nach rechts in den Fuchsmühlenweg hinein und stehen rechts im Hintergrund die „Neue zentrale Aufbereitung des David Schachtes“. Wir gehen weiter und erreichen nach dem Passieren einer Kleingartenanlage die Schlämmhalde der alten und neuen Erzaufbereitung des bis auf 736m tief abgeteuften Schachtes und sehen das Absetzbecken. Es wurde bis 1960
benutzt.
     

Wenige Meter weiter sehen wir rechts, etwas versteckt, das „Obere Mundloch des Erzbahntunnels“ von 1855. Auf 874 Metern überwindet er eine Höhendifferenz von 87 Metern. Hier kommt das Erz an, das in das „Loch“ eingebracht worden war. Manuell auf Wagen wurde das Erz jetzt auf einem Damm weitertransportiert. Wir sehen noch ein Stück davon und auch den Anschluss für die ehemalige Brücke. Dort, wo das Erz dann in ein weiteres „Loch“ gekippt wurde, sieht man nichts mehr - Ich kenne aber das Ende dieses Loches an der Mittleren Ratsmühle in Halsbach.
Dort wurde das Erz gemahlen und anschließend der Verhüttung, der Schmelze zugeführt.

Wie aber gehen am Fachwerkhaus neben dem Erzdamm nach links in eine kleinen, leicht verwachsenen Pfad hinein.
Es dauert nicht lange und wir erreichen die Einmündung des Mühlgrabens der Mittleren Ratsmühle in die Freiberger Mulde. Gleich nach links kommen wir zu einem kleinen Graben und dem  Mundloch des „Königlichen Verträglichen Gesellschaftsstollns“. Hier beginnt der „Rote Graben“, der die Halsbrücker Schächte und Aufbereitungsanlagen mit Aufschlagwasser versorgte.
Dort steht auch das „Schwarze Haus“, das Huthaus dieses Stollns aus dem Jahre 1830. Links im Berg ist der Stolln gerade vorangetrieben und leitet die Sickerwässer des Berges ab und in den „Roten Graben“ ein. Rechts folgte der Bergmann der Erzführung. Beide mussten sich vertragen.  Wir erreichen das  Mundloch des „Thurmhof Hilfsschachtes“ aus dem 18 Jahrhundert.
Später sehen wir eine Wasserregulierungsanlage des „Roten Grabens“. War der Wasserstand zu hoch, wurde ein Schützen gezogen und einiges Wasser floss in die Freiberger Mulde ab.
Wir erreichen die Halde des „Ludwig Schachtes“. Er wurde 1853 abgeteuft und erhielt 1863 das letzte Kehrrad des sächsischen Silberbergbaues. Gingen wir danach den Berg links hinauf, kämen wir zum „Davis Schacht“ zurück.
So erreichen wir das Mundloch „Hauptstolln Umbruch“ von 1821 bis 1850 erstellt, der 7 Mater tieferen Version des „Alten Tiefen Fürsten Stolln“. Hier wird die Luft abgezogen, die das Freiberger Krankenhaus nutzt. Er trifft an der „Roten Grube“ in Freiberg auf den Fürstenstolln, allerdings mit einer Differenz von 7 Metern. Das Wasser des „Fürstenstollns“ trieb dort noch ein Kehrrad an bevor es in den „Umbruch“ floss. Der Umbruch geht von dort an weiter bis zu den Schachtanlagen in Langenau.  Noch 112 Meter tiefer ist der Rotschönberger Stolln.  Nur einige Meter weiter gelangen wir zum Mundloch „Alter Tiefer Fürsten Stolln“, den wichtigsten Freiberger Wasserlösungssystem aus dem 17. Jahrhundert.


          Wir erreichen Conradsdorf und die steinerne Muldenbrücke von 1501. Sie verbindet die älteste Dresdner Straße.
Wir kürzen an dieser Stelle ab, trennen uns von der Halsbrücker Bergbaulandschaft und gehen nach Tuttendorf den Berg hinauf. Rechts geht ein Ratsmühlenweg ab, wo ich weis, er endet an der „Unteren Ratsmühle“, die ebenfalls Erz gemahlen hat. Wir sehen uns die Bergmannskirche „ST. Anna“ an. er Glück hat kann sich das Kircheninnere anschauen.  Weiter bergan, könnten wir „Am alten Bahnhof“ nach Freiberg zurück gehen. Wir gehen aber weiter und erreichen am Gewerbegebiet den Weg nach Freiberg. Er bringt uns vorbei an kleinen Halden, wo der Bergmann versucht hat den
Hauptgang und somit Silbererz  zu erreichen. Links des Geländes der „Reichen Zeche“ ist die zugewachsene Halde der „Alten Reichen Zeche“ zu sehen.
Wir gehen weiter zur Halde „Heilige Drei Könige“, auch „Herders Ruh“ genannt. Herder hat hier seine Besetzung wunschgemäß erhalten. Er war der Freund der Bergleute und der Projektant des 
„Rotschönberger Stollns“.      
 Wir sehen den nördlichen Zugang zur „Reichen Zeche“ und erreichen die Schachtgebäude diese Museums- und Forschungskomplexes des Bergakademie Freiberg. Übertage sehen wir die Elektroloks, die von 192 bis 1969 zwischen Freiberg und Langenau das Erz nach Freiberg in die zentrale Aufbereitung gebracht
haben. 
Beim Rückweg zum Fuchsmühlenweg sehen wir noch die Erzverladestation der „Reichen Zeche“, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1913 das Erz zur „Porzeline“ brachte. Die älteste Dresdner Straße von Conradsdorf, über Tuttendorf und über den Tuttendorfer Weg
zum Freiberger „Meißner Tor“ folgen wir nicht mehr. Wir nutzen einen „Schleichweg“ um an den Conradsdorfer Weg zu kommen. Hier finden wir noch die Halde des „Hoffnung Schachtes“ und wenige Meter später die Halde und das Huthaus des „Löffler Schachtes“.   Auf dem Gelände des Krankenhauses ist noch ein Huthaus zu sehen, „Geharnischter Mann“.

 

Über das “Meißner Tor“, den Untermarkt und die Burgstraße kommen wir zum Obermarkt zurück.  Wir haben in fast 5 Stunden viel  gesehen und erfahren. Man könnte ab der Brücke in Conradsdorf auch nach Halsbrücke weitergehen, das sind vielleicht noch 60 Minuten. Roter Graben, Erzwäsche, "Oberes Neues Geschrei", Grube "Beihilfe", 7. und 8. Lichtloch, Hohe Esse, Altväterbrücke und Kahnhebehaus usw. wären lohnende Ziele ...



Glück Auf


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