Teide - höchster Berg von Spanien

Der Teide sollte 2009 nun wieder unser Ziel sein.
Wir hatten bereits 2 Mal kurz vor seiner Spitze abbrechen müssen. Beim ersten Mal, weil keine Genehmigung vorlag. Beim zweiten Mal, weil der Sturm oben so stark war, dass ich einen Aufstieg mit meinem Bruder und dessen Frau nicht verantworten konnte. In diesem Jahr hatte meine Frau ein 
Problem mit einer Wade und beschloss, den Teide nicht zu besteigen.
So starteten mein Schwiegersohn Sandro und ich am Mittwoch, dem 28. Oktober allein zum höchsten Berg Spaniens.
   
7:15 Uhr weckte ich Sandro. 7:45 Uhr trafen wir uns zum Frühstück und 8:15 Uhr fuhren wir los. Aber keine 15 km später stellte ich fest, dass ich das Permit, die Genehmigung zum Bestreigen der Gipfelpyramiede, vergessen hatte. Also zurück. So schnell hat man 30 Minuten wertvoller Zeit verloren. Ich ärgerte mich tüchtig über mich selbst, aber wir kamen dann trotzdem nach 60km gegen 10:30 Uhr, an der Seilbahn vorbei, am Wanderparkplatz an. Ich war beruhigt: Die Bahn fuhr. Dann konnte der Wind nicht so stark sein wie 2007. Damals waren wir schon bis auf 3500 Meter gestiegen und konnten wegen dem Sturm nicht weiter aufsteigen.
Um die Fehler von 2007 nicht zu wiederholen, erklärte ich Sandro, wie wichtig gleichmäßiges Tempo, Essen und Trinken sei. Nur nicht zu schnell angehen, sonst kommt die Höhenkrankheit.
Die hatte sich bei Karin mit Übelkeit gezeigt und in einem solchen Zustand kann man nicht zu Höchstleistungen auflaufen. An mich und an mangelnde Höhenanpassung dachte ich nicht. Wir hatten ja schon in einer Stunde 2200 Höhenmeter überwunden und das macht schon etwas aus. Nicht umsonst heißt es: „Höhenanpassung mit maximal 2000 Metern pro Tag“. Nach 2:30 Stunden erreichten wir die „Belavista-Hütte“ auf 3200 Metern.
   
Die letzen Meter waren mir schon etwas schwer gefallen, aber ich sah noch kein Problem. Als wir weiter stiegen hatte ich die Symptome der
 Höhenkrankheit. Mir war flau im Magen, mir ging die Luft und mir fehlte die Kraft zum steigen. Lediglich der Wille, den Gipfel zu erreichen, war mir geblieben. So ließ ich Sando, den Neuling für 3000 Meter, vorausgehen. Und er meisterte das wunderbar, fotografierte und gab mir das Gefühl, dass auch ich es schaffen würde. Aber gerade diese 300 Höhenmeter waren ein Kampf gegen die Schwäche, die ich so noch nie erlebt hatte. Erst als wir am Kontrollpunkt angelangt waren, wir das Permit vorgelegt hatten, bekamen wir etwas vom Sturm zu spüren. Dann ging es noch einmal 200 Höhenmeter weiter, bei Windstärke 7.
   
Normalerweise dauert der Aufstieg 20 Minuten, aber ich benötigte fast die doppelte Zeit. Der Weg ganz nach oben schlängelt sich im Zick-Zack an der Felskante entlang. Er ist von Menschenhand angelegt, wenn man das so sagen kann, also etwas begradigt. Trotzdem verstanden wir nicht, warum die Kontrollposten hier Leute hochlassen, die in Turnschuhen, Sandalen, ja sogar in Badeschlappen kommen. Wahrscheinlich passiert nicht genug oder die Ärzte haben hier eine gute Einnahmequelle. Trotz dieses Unverständnisses unsererseits erreichte ich überglücklich den Gipfel in 3718 Metern Höhe. Der Sturm hatte mich teilweise geschoben, wenn er meinen Rücken erwischte, zeitweise blieb mir die Luft weg, wenn er von vorn auf mich traf. Sandro hatte schon einige Bilder gemacht und auch gefilmt. So genossen wir das Schauspiel der ziehenden Wolken um uns herum. Einmal hatten wir gute Sicht nach unten, dann standen wir völlig in einer Wolke. Imposant war der eigentliche Krater des Teide. Es roch nach Schwefel infolge der immer noch aktiven Bewegung des Vulkans. Das Gestein war weis oder grün oder gelb gefärbt. Dabei war die Farbe abhängig von den Inhalten der Gase, die hier der Erde entströmten.
 
         
Dann ging es bergab. Schnell waren wir wieder am Kontrollposten. Es war schon 15 Uhr. Ein Abstieg hätte wohl mindestens 2:30 Stunden gedauert. So wären wir erst nach 18 Uhr an „Los Roques“ gewesen, zum fotografieren zu spät. Sandro machte den Vorschlag, mit der Seilbahn hinab zu fahren. An diesem Tag war ich sehr dafür; ich hatte doch diese Symptome der Höhenkrankheit noch in mir. So fuhren wir für je 12,50 € zu Tale und wanderten dann 3 Kilometer weit zum Standort des Autos zurück. So konnten wir „Los Roques“ bei wärmender Sonne noch besichtigen. Dazu kam noch der sich ständig auf- und zuziehende Teide im Hintergrund. Bei der Rückfahrt durchfuhren wir eine weitere Wolkenbank und kamen bei untergehender Sonne am Hotel an. Wir hatten heute ein tolles Naturschauspiel erlebt, in Wolken, über den Wolken – alles grenzenlos. Und ich wusste nun persönlich, was es bedeutet, einen Höhenkoller zu haben.
Es muss so etwas gewesen sein, denn ich hatte am folgenden Tag keinerlei Muskelkater.
    
 
               Teide 3718 m - höchster Berg von Spanien
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