2006: Ortler, Königsspitze, Hoher Angelus

Karin und ich fuhren dann über Meran nach Sulden, wo ich Quartier machen sollte. Wir hatten gerade den Meraner Höhenweg abgewandert und uns einige Tage am Kalterer See ausgeruht. Die von meinem Bergfreund ausgesuchten Hotels waren entweder belegt oder schlossen am Montag die Saison ab. So bin ich wieder zu Wiesers ins „Mignon“ eingezogen.
Die Bergsteigertour 2006 konnte beginnen. Im Cafe „Julius Payer“ tranken Karin und ich Kaffee und dann verabschiedete sich Karin und fuhr heim. Sie konnte die hohen Berge nicht sehen, ohne Angst zu haben, mir könnte etwas passieren. Er 2008 siegte ihre Bergbegeisterung, dann ging auch sie auf 4000er.
 
Gegen 21 Uhr kam dann mein Bergfreund. Er hatte wider Erwarten eine langjährige Bergfreundin mitgebracht, die schon mehrmals mit der Gruppe gestiegen war als ich noch nicht dabei war. Es sollte sich auf den Wanderungen herausstellen, dass die Bergfreundin keine Angst vorm Klettern hatte, aber Angst vor Gletscherspalten, beim Bergfreund und mir war das gerade anders herum.
Josef, unser Bergführer, hatte während meiner Abwesenheit von Sachsen mit dem Freund gesprochen und unser Programm geändert. Wir wollten zuerst auf die Königsspitze gehen, weil es am Wochenende auf der Payerhütte immer problematisch sei.
Wir sprachen zwar am Abend noch über einen Anruf mit Josef, aber verschoben das auf den nächsten Morgen und dann auf die Bergstation an der Schaubachhütte.
Dort erst stellte sich heraus, dass Josef unseren ursprünglichen Plan wieder aktiviert hatte und wir an diesem Tag zur Payerhütte kommen sollten, also Ortler mit reservierten Übernachtungen.
Unser Bergfreund hatte schon einmal den Weg von der Hintergrathütte zur Schaubach gemacht und so wollten wir diesen Weg benutzen, da wir ja schon weit oben waren. Das war ein Irrglaube, denn wir brachen den Aufstieg zur Hintergrathütte zu früh ab und suchten dann 2 Stunden lang einen Weg durch die Moräne.

   
 
Ich hatte dann die Idee als Vorsteiger einen bewachsenen Hang hochzusteigen und dieser war lang und steil. Oben angekommen, stellte ich fest, dass man unten nur einen kleinen Bogen steigen musste, dann kam man auf den offiziellen Weg zur Hütte. Dies nutzten die beiden dann und wir trafen uns an der Hintergrathütte. Wir liefen weiter, ich wollte meinen guten Zustand damonstrieren und powerte los. ich hatte nach einer Stunde an der K2-Hütte 6 Minuten Vorsprung. Nach einer weiteren Stunde wartete ich 10 Minuten auf die zwei an der Tabarettahütte. Dort tranken wir viel, denn es war sehr warm. Ich ging weiter in meinem Tempo und kam nach 65 Minuten um 18:45 Uhr an der Payerhütte an, völlig ausgepowerd.
Offiziell sollte der Weg von der K2 2 Stunden dauern, also war ich gerade im Limit, aber trotzdem erschöpft. Die Bergfreundin kam 20 Minuten, der Freund gar 30 Minuten später an. Er hatte ja noch 3 Kilogramm Seil zur Tabarettahütte geschleppt und dort deponiert. Wir wollten ja ursprünglich über den Suldengletscher und somit war das Seil zum Sichern notwendig. Hätte ich den Ortler geschafft, wenn ich heute zusammengebrochen wäre? Diese Frage hätte ich mir stellen sollen.
Josef wies mich unterdessen in ein Zimmer mit 2 Doppelstockbetten ein, wo das vierte Bett aber leer blieb. Das war wohl das einzige freie Bett in dieser Hütte, 79 Leute sind dagewesen. Essen in 2 Schichten und dann todmüde ins Bett gefallen. Für diese Leute waren 2 WCs und eine Waschrinne mit 2 Wasserhähnen und eiskaltes Wasser, die einzigen sanitären Einrichtungen.
Am Montag, den 3. September, weckte uns um 5:15 Uhr der Handywecker in 3029 Metern Höhe.
5:30 Uhr gab es Frühstück, aber es verging die Zeit bis wir um 6:20 Uhr als letzte Gruppe die Hütte Richtung Ortler verließen. 100 Minuten anstrengende Kletterei haben wir geleistet, angeseilt und von Josef gesichert, die „gefährlicher“ war als alles bisher Dagewesene.
8:05 Uhr standen wir, jetzt mit Steigeisen und Pickel bewaffnet, an der Absturzstelle der Deutschen, die eine Woche vorher in den Tod gerutscht waren. Ein Hut und ein Handschuh lagen noch dort, wo die zwei ausgerutscht sein müssen und den anderen in den Tod gezogen haben. Ohne richtige Ausrüstung verzeiht der Ortler keinen Fehler.
Wir stiegen mal steil, mal flacher durch die Schneefelder bis zur Biwakschachtel. Der Bergfreund hatte bis dahin tüchtige Probleme mit der Luft oder den Kräften allgemein.
Er stieg hier schweren Herzens aus der Seilschaft und wartete in der Hütte auf unser Zurückkommen. Der Himmel hatte sich immer mehr zugezogen. Waren es anfänglich noch blaue Stellen zwischen den Wolken, so waren jetzt Nebelschwaden zwischen den Wolken und der Nebel wurde immer dichter. Der Wetterbericht hatte diese Störung für den nächsten Tag vorausgesagt, aber...
Die Bergfreundin „betete“ zu Gott, dass das ihr letzter Berg sein sollte, aber es sollte anders kommen.

   
 
So entschieden wir uns weiterzusteigen. Josef fragte vor dem nächsten Steilstück noch einmal, ob wir abbrechen wollten, aber ich wollte noch um diese Ecke gehen. Und dann gab es kein Halten mehr, plötzlich war das Gipfelkreuz zu sehen und wir standen auf dem 3905 Meter hohen Ortler, dem höchsten Berg Tirols. Einige Bilder wurden geschossen und wir machten uns auf den Rückweg. Von Sicht konnte nicht gesprochen werden, aber dicker Nebel war es auch nicht.
Wir holten unseren Bergfreund von der Biwakschachtel ab und wenige Minuten später seilte mich Josef urplötzlich über 15 Meter ab. Ich war so überrascht, dass ich keine Zeit für Angst hatte. Bergfreundin und Bergfreund kamen dann nach, für sie war das nichts Neues. Als dann Josef wieder neben uns stand, war ich sehr überrascht und stolz über meine Reaktion.



12:12 Uhr waren wir wieder an der Absturzstelle und stellten uns in die Schlange der Wartenden, die über die Felsen hinabklettern wollten oder mussten. Nach einer Stunde war es dann für uns soweit, die Sicht hatte sich gebessert. Es hatte nicht geregnet, aber im Gipfelbereich war für kurze Zeit Schneeregen gefallen. Wir stiegen ab. Ich als Erster immer auf die Hinweise der Bergfreundin und Josef hörend, wo ein Griff oder Tritt sei.
Als wir dann 14:45 Uhr an der Payer Hütte waren, tranken und aßen wir und stiegen 16 Uhr ab.
Ich ging diesmal weniger schnell abwärts, holte aber aus der Tabarettahütte das Seil und trug das bis ins Hotel. Wir wollten den Bergfreund schonen, denn er sollte ja auch Freude an den Bergen haben.
Der Weg war eine einzige Schotterpiste, die Oberschenkel schmerzten, die Fußsohlen brannten.
Halte durch, das Hotel ist nicht mehr fern. Es dauerte trotzdem etwas länger, als erhofft.
19 Uhr kamen wir im Hotel an, duschten und gingen Essen.
Ich hatte am linken kleinen Zeh auf der Oberseite eine Blase, die schon offen war und unter der rechten Fußsohle zwei Druckstellen – selten bei mir.
„Bei schönem Wetter kann jeder den Ortler besteigen – wahre Künstler besteigen den Ortler aber auch bei schlechtem Wetter – solange das der Bergführer verantworten kann.“
Der Gipfel hat 175 € pro Person gekostet, bei 3 Personen. Der Bergfreund hat 25 € Nachlass bekommen, das anstrengendste Stück hatte er ja den Bergführer beschäftigt. 32 € bezahlte ich für die Übernachtung nebst Halbpension.
Unser Bergfreund wird sich sicherlich geärgert haben, abgebrochen zu haben. Aber es ist immer besser, an gesicherter Stelle zurückzubleiben, als die gesamte Gruppe um den Gipfelsieg zu bringen. Aber ist hatte vorher den Ortler schon mit Willy geschaft!
Heute gab es ein 6-Gängemenü mit Prosecco. Ein Obstler beendete den Abend.
Ich stieg die Treppen hoch wie ein Behinderter, aber ich hatte genug Luft, nur die Beine wollten nicht mehr.
An diesem Tag begann das Rätseln, welche Erkältung oder welche Medikamente unseren Bergfreund so kaputt gemacht hatten.
 
   

Der Montag wurde zum Ruhetag. Einerseits sollte ja die Wetterstörung kommen, anderseits brauchten unsere Füße Schonung.
So ging es mit dem Kanzellift zur Düsseldorfer Hütte, 75 Minuten Aufstieg.
Dort wurde die Sonne genossen und bei 2700 Meter Höhe akklimatisiert. Der Freund ging als Höhengewöhnung noch eine Stunde weiter um die Yaks von Reinhold Meßner zu sehen, aber die hielten sich in sicherer Entfernung. 16:50 Uhr sind wird wieder abgefahren und haben noch ein Eis im Cafe gegessen. Erst in der Nacht gab es ein Gewitter, das war die Störung.
 
Am Dienstag starteten wir bei wieder wunderschönem blauen Himmel ab 10:30 Uhr von der Bergstation der Schaubachseilbahn. Über den Suldengletscher, die Suldenspitze und die Casati-Hütte sollte es zur Pizzinihütte gehen, der Sturmhütte für die Königsspitze. Das Wetter war schön, der Schnee ausreichend vorhanden, und so wollte Josef alle drei mit zum Gipfel nehmen.
Aber bis dahin sollte noch viel passieren.
Wir überquerten die Geröllfelder am Fuße des Gletschers, legten dann Steigeisen an und gingen ans Seil. 11:45 Uhr machten wir den ersten Schritt auf Eis. Im Verhältnis zum letzten Jahr lag sehr viel Schnee und die Spalten sahen auch gewaltiger aus, aber auch bedrohlicher. Die Bergfreundin war heute relativ ängstlich, wenn man das bei einer Frau überhaupt bemerken sollte.
Ich hatte ein mit Wasser gefülltes und leicht überfrorenes Wasserloch übersehen, tapste hinein und machte den anderen Fuß beim Herausziehen auch kräftig nass. Nass bis auf die Socken, die ich dann trockenlaufen musste.
Der Bergfreund lief die erste Stunde gut voran, dann bekam er wieder Konditionsprobleme. Er blieb oft stehen, schnaufte und machte weiter.
In einer Seilschaft ist aber kontinuierliches Tempo das Beste und so fing er sich von unserer Bergfreundin einen Anschiß ein, er solle gleichmäßiger gehen. Er tat das dann auch und wir kamen 13:45 Uhr aus dem letzten Schneefeld heraus. In 15 Minuten war ich auf der Suldenspitze. 3376 Meter hoch, sieht sie von hier aus wie ein Berg, Auf diesem letzten Stück war der Schnee weich, wir steckten oft bis zum Knie fest. Das war natürlich auch kräftezehrend. Nach einer kurzen Rast an der Casati-Hütte stiegen wir bis 17 Uhr zur Pizzini-Hütte auf 2706 Meter ab, immer unser morgiges Ziel im Blickfeld und suchten einen Weg von „Hinten“, da uns der Anstieg über die Süd-Ost-Flanke zu steil erschien. Wir erhielten wieder ein 6-Bettzimmer, blieben aber unter uns, denn es waren keine Schulferien mehr und die Königsspitze wird selten begangen. Sie ist doch schwierig und eben nur der zweithöchste Berg Tirols. Die Hütte ist modern und sauber. Mit 48 € für Nichtalpenvereinsmitglieder aber teuer, Dusche und warmes Wasser im Zimmer wären auch noch extra gewesen. Das war uns diese Kombination nicht wert.
20 Uhr kam Josef. Bei der Bergbesprechung sagte diet Bergfreundin bezüglich ihrer Spaltenangst ab, obwohl Josef dies ihr auszureden versuchte. Im Nachhinein ärgerte sich auch darüber. Ich konnte bestätigen, keine Spalten umgangen zu haben, weil keine da waren und die da waren, waren weit entfernt von unserem Weg. Der Bergfreund legte sich nicht fest. Er wollte gern hinauf, aber er hatte Angst, dass ihn seine Kräfte verlassen würden. Also, wer aufsteht, kommt mit, so die Devise.
Unser Zimmer trug den Namen „Pasquale“ nach dem Berg, der vor unserem Fenster stand. Er war allerdings nicht vergletschert.

     
 
Ich habe buchgeführt. Am 6. September klingelte 4 Uhr der Wecker. Wir nahmen schnell ein Bergsteigerfrühstück ein, bestehend aus Weißbrot, Butter, Marmelade und Schokoladenaufstrich.
4:43 Uhr verabschiedete uns mein Bergfreund, der sich immer noch nicht wohl fühlte. Mir wurde erst jetzt bewusst, dass ich eine Soloführung bekam, für die ich 330 € locker machen musste. Aber Josef hatte gesagt, wer die Königsspitze nicht schafft, braucht es mit dem Dom auch nicht aufzunehmen.
Im Schein der Stirnlampen ging es über Schotter und Geröll bergan. Ich hatte vor, dem Tempo Josefs zu folgen, wenn ich konnte. Josef machte anfänglich zwei Schritte pro Sekunden. Als es steiler wurde, war es dann ein Schritt pro Sekunde, aber die Schritte wurden immer kleiner je steiler es wurde, aber der Rhythmus blieb. Um 5:30 Uhr waren wir am Fuße des Königsjochs auf Höhe mit der Kreilspitze, die 3391 Meter misst. Dahinter war das Schrötterhorn mit 3366 Metern zu erkennen und dahinter waren Suldenspitze und Cevedale zu sehen. Wir seilten uns an, gingen ans Seil und überquerten den Gletscher der kaum Spaltenmerkmale zeigte. Es waren aber welche da, allerdings klein und zugeschneit. Auf der Karte ist bei 3462 Metern das Königsmandl eingezeichnet. Es gibt dieses aber nicht mehr, mit den zurückgehenden Gletschern ist die Felsspitze 1993 abgestürzt. Früher gab es auch einen Weg direkt von der Suldenspitze zum Königsjoch, aber damals war dies eine Gletscherverbindung, heute eine Schlucht aus Geröll. Wir stiegen weiter, eine 38% steile und 5 bis 8 Meter breite Rinne empor, die steinschlaggefährdet ist, wenn es warm ist. Infolge der Schneefälle der letzten Wochen war auch das Blankeis mit einer dicken Schneehülle versehen und so konnten wir gut und schnell steigen. Der leichte Frost der letzten Nacht hatte den Schnee tragfähig gemacht, wir sanken gerade einmal so tief ein, dass unsere Steigeisen richtig griffen.
Hier erlebten wir den Sonnenaufgang. Hinter der Schildspitze kam die Sonne hervor und tauchte uns in ihre warmen Strahlen. Josef meinte, dies sieht selbst er nicht jedes Jahr.
Es passte also das Wetter, die Uhrzeit und auch der Standort.
Einem kleinen Flachstück folgte der 45% steile Hang zum Gipfelgrad. Hier konnte ich immer noch gut folgen und wir waren 7:20 Uhr auf dem Gipfelgrad. Ich stand oder besser saß auf dem Grat, das rechte Bein in der Provinz Südtirol, das linke Bein in der Lombardei. Ich filmte und stand dann auf. Beidseitig ging es tausend Meter tief, aber man konnte auf den Grat gut laufen. Der Wind wurde stärker und wir gingen die letzten Meter zum Gipfelkreuz. Genau um 7:31 Uhr, nach 2 Stunden und 48 Minuten, standen wir auf der 3859 Meter hohen Pyramide der Königsspitze. Josef war noch nie so schnell mit einem Kunden gestiegen. Ein tolles Glücksgefühl, wenn der Bergführer dir die Hand reicht und „Berg heil“ sagt. Dazu dieser Ausblick auf den Ortler, der sich heute von einer Seite zeigte, die wohl nicht jeder zu sehen bekommt. Weiter der Blick in die Schweiz und nach Italien.
Auch die Suldenspitze ist zu sehen, aber sie verliert sich fast von hier und sieht aus wie eine Ebene.
Sogar der Cevedale wirkte klein.
10 Minuten Zeit zum Fotografieren, schnell noch etwas essen und trinken.
Benommen von den Eindrücken ging es zurück. Die Sonne stand nun über den Schneeflächen und als wir über den Flaschenhals, der engsten Stelle, in die Rinne einstiegen, fielen wenige, wenn auch kleine Steine in diesen Bereich. Wir versanken ca. 15 Zentimeter im Schnee, der jetzt zusehend weicher wurde. Die Luft war wie ein Backofen, sie erwärmte sich unheimlich schnell und stieg wie in einem Kamin auf, durch den wir bergab stiegen.
Hier muss es bei Eis eine echte Gefahr für Steinschlag geben, darum hat Josef 2005 diese Tour abgesagt. Wir waren 10:02 Uhr wieder an der Pizzini. Aber kein Empfangskomitee umjubelt uns.
Stattdessen übergibt uns der Wirt unsere Sachen und teilte uns mit, dass  die Bergfreunde zur Casati und den Suldengletscher zurück sind. Wir trinken ein kleiner Bier auf Josefs Kosten, da mein Geld mit den Beiden unterwegs ist, da stand plötzlich unsere Feundin im Raum, drückte und beglückwünschte mich zum Gipfelsieg und teilte uns mit, sie hätte es sich anders überlegt und käme mit uns nach Sulden zurück.
Der Bergfreund wollte Kondition aufbauen, sich eine Seilschaft für den Abstieg suchen und wolle uns im Hotel treffen. Josef atmet erst auf, als er hört, dass er nicht allein über den Gletscher wollte. Dann stiegen wir bis zum Auto noch eine Stunde ab und Josef fuhr mit uns über das Stilfser Joch nach Sulden. Der Bergfreund war schon 14 Uhr auf der Schaubach und hat sich dort gesonnt und ist dann bis ins Tal abgestiegen. Wir haben uns geduscht und sind Kaffeetrinken gegangen.
Am Abend gab ich eine Flasche Prosecco aus und alle freuten sich mit mir über diese Leistung.
 
Der Donnerstag sollte eigentlich ein Ruhetag werden. Aber die Berge waren sehr nahe und Herr Wieser sagte mit dem Wetterbericht eine weitere Schlechtwetterfront für Donnerstagabend und Freitag vorher. Also, Planänderung.
Wir marschierten Richtung Großer Angelus.
8:15 Uhr standen wir am Kanzellift und bereits 9:45 Uhr waren wir an der Düsseldorfer Hütte.
Eigentlich sollte Josef von hier aus eine Gruppe zum Berg führen und wir wollten uns dranhängen.
Aber diese Gruppe führte ein anderer, also Abstand halten und beobachten was sie machen.

 
 
Eine Stunde kämpften wir im Geröll bergan, immer den Blick auf den Gletscher der Angelus, aber auch von der Vertainspitze war viel zu sehen und im Rücken verschwand mit zunehmender Höhe der Ortler. Die Gruppe vor uns pausierte. Wohin sollte es gehen?
Der erste Teil seilte sich an und stieg in die Felswand, wo wir nie daran gedacht hätten. Wenig später folgten die zweite Gruppe und wir im entsprechenden Abstand. Eine Stunde Felskletterei und wie wir hinterher auf der Karte feststellten, war es ein Klettersteig. Wir hatten die Bergfreundin, sie war sich sicher, Sicherheit vom Klettern im Elbsandstein, und führte uns empor.
Als wir das Eisfeld erreichten, ging Bergfreundin weiter den Felsgrat zum Gipfel. Wir Männer  stiegen über den Gletscher zur Spitze. Diesen Berg packte unser Bergfreund, aber wir wissen nicht, was eigentlich mit ihm los war.
Wir treffen uns 13:30 Uhr wieder am Gipfelkreuz des Hohen Angelus, auf 3521 Metern. Ein Berg, der es in sich hat und nicht zu unterschätzen ist. Hier sitzt auch noch die Gruppe des zweiten Bergführers und es kommt Josef mit einer dritten Gruppe.
Er ist aber schnell wieder verschwunden mit der Bemerkung „Lasst Euch nicht zu viel Zeit, das Wetter schlägt um“.
14 Uhr steigen wir ab, die Bergfreundin sichert uns im Felsteil und gibt uns keine Zeit, lange stehen zu bleiben. Als wir den Klettersteig verlassen, zieht es zu und im Tal grollt ein Donner.
Sie geht voraus und bestellt Getränke. Wir sind 16:45 Uhr an der Hütte, trinken und ziehen unsere Regenjacken an. Dann geht es über die „5“ Richtung Sulden. Gelegentlich spritzt es, aber es ist immer noch warm. Wir treffen die Yaks, ich filme und fotografiere. Dann eilen wir weiter. Zeitweise sieht es gespenstig aus, dann lichtet sich der Nebel. Unser Bergfreund ist heute beim Abstieg der Schnellste. Er steht als erster 18:30 Uhr am Auto. Wieder Glück gehabt mit dem Wetter.
Erst in der Nacht kam die Schlechtwetterfront. Am folgenden Tag hingen die Wolken tief, der Regen der letzten Nacht hat abgekühlt. Wir setzen den geänderten Plan um, verlassen Sulden und fahren nach Ramsau wo wir 16 Uhr ankommen und im zweiten Gasthof, den „Unterwirt“ Übernachtung nehmen.
 
Mit schlafen war am Freitag nicht viel, es war „Bums mit Jürgen“. Wir tanzten abwechselnd mit unserer Bergfreundin. 24 Uhr lagen wir in den Betten und hofften auf Bergwetter für den „Watzmanntag“.
28 € pro Person mit Frühstücksbuffet sind ein guter Preis und so gestärkt ging es um 8:40 Uhr an der Wimbachbrücke los, 654 Meter hoch, wie der Messpunkt am Frauensteiner Schloss.
Es ging steil und stetig bergan. Als sich der Wald lichtet sahen wir die 7 Watzkinder (davon sind nur drei mit 2225, 2165 und 2247 Metern in der Karte eingetragen), die Watzfrau (2307) und den Vorderbereich des Watzmannes. Um 11:20 Uhr standen wir in 1930 Metern Höhe am Watzmannhaus. Wir stärkten uns und stiegen 20 Minuten später in den riesigen Steinschuttkegel des Berges ein. Ich wieder vorneweg. Dafür hatte ich auch ständig den Weg suchen müssen, hatte einmal mit zwei jungen Männern und dann mit einem mittleren Ehepaar die Wegstrecke geteilt und war so nur 10 Minuten vor den Freunden auf dem Hocheck, der mit 2651 Metern niedrigsten Gipfelspitze des Watzmann. Weiter wäre es gegangen auf die Mittelspitze mit 2713 und dann zur Südspitze, die bei 2712 Metern liegt. Aber eben, wäre. Es hätte mindestens noch 2 bis 4 Stunden gedauert und das hätten wir nicht mehr bei Tageslicht geschafft. Dafür hat man auch hier einen schönen Blick bis zum Großglockner und den Ober- und Königsee. St. Bartholomä sieht man nur vom Südgipfel und auch die berüchtigte Ostwand. So sind wir 14:15 Uhr abgestiegen, haben im Watzmannhaus etwas getrunken und waren 18:40 Uhr wieder an der Wimbachbrücke.
Hier noch 4 Stunden dazu...
Wenn man das als Überschreitung planen will, dann nur mit Übernachtung im Watzmannhaus und dann Abstieg ins Wimbachtal. Für die Überquerung ab Watzmannhaus sollte man 10 bis 12 Stunden ansetzen – das haben auch andere Wanderer bestätigt. Vielleicht einmal später.

Am Sonntag sind wir dann gegen 9 Uhr nach Hause gefahren, hatten am Münchner Ring wieder den bekannten Stau, die Bayern packen es eben nicht.

Nun hatte ich an einem 4000er geknabbert - wann kommt ein richtiger 4000er?

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