Der Sommer/Herbsturlaub Ende August 2002 führte uns ins Ötztal nach Vent.
Neben vielen schönen Touren zu Hütten und Gletschern legte meine Ehefrau Karin den Grundstein für mein „Bergsteigen“. Sie genehmigte mir, mit einer Seilschaft ab der Breslauerhütte die Wildspitze, Tirols höchsten Berg, zu besteigen. Hans-Joachim Grasse, eine Urlaubsbekanntschaft aus Vent, und ich fuhren mit der letzten Seilbahn 17 Uhr hoch. Dann stiegen wir noch 90 Minuten auf bis zur Breslauer Hütte in 2844m Höhe. Wir bezogen unser Bergsteigerlager. 3 Betten übereinander, 12 Betten nebeneinander, dann ein Gang mit einem Fenster von vielleicht einem Quadratmeter und dann ein zweiter 12er Block. Wir hatten Glück, der Raum war nur mit 20 Leuten belegt, aber es war trotzdem stickig, warm und man hörte immer einen schnarchen.
Nach einem Abendessen und der Einweisung durch den Bergführer gingen wir schlafen – 22 Uhr ging das Licht aus. Nach einer eher durchwachten Nacht mit dem Gedanken, was für Schwierigkeiten würde der nächste Tag bringen, gab es 5:30 Uhr Bergsteigerfrühstück. 6 Uhr standen wir vor der Hütte und wären fast auf den vereisten Fußbodenplatten ausgerutscht. Es waren minus 3 Grad.
Wir, der Bergführer und 6 Seilschaftsmitglieder zogen los. Sein Vater nahm die zweite Gruppe mit 2 Potsdamer Ehepaaren, die um die 30ig Jahre alt gewesen sein mochten, und kam nach 10 Minuten hinter uns her. Als es hell wurde, zogen wir am Fuße des Gletschers die Steigeisen an.
Hans-Joachim ging als ältester und damit vermutlich als schwächster Teilnehmer nach dem Bergführer, dann folgte ich und nach mir das jüngere Volk.
Stündlich war Trink- oder/und Esspause. Für alle auch Fototermin. Als ich mich vom Seil abmachen wollte, um zu filmen, gab es den ersten „Anschiss“.
Später wurde mir klar warum: Spalten, die zugeschneit waren. Für mich nicht sichtbar, aber nach der Beschreibung wusste ich dann, wie man so etwas erkennt.
 
     
 
Nach 6 Stunden Aufstieg kamen dann 10 Minuten leichte Felskletterei und der felsige Südgipfel mit seinen 3768m. Über einen sehr schmalen Grat ging es unangeseilt auf den Nordgipfel, der total verfirnt ist und zwischen 3770 und 3775m angegeben ist.
Auf dem Gipfel hatte unser Bergführer Handykontakt zur zweiten Gruppe. Sein wohl 70 Jahre alter Vater war nicht zu sehen und er zweifelte daran, ob er die Gruppe wohl auf den Gipfel bringen würde. „Die Damen wären erschöpft und die Männer nicht viel besser.“
Der Abstieg ging über die Nordseite, natürlich wieder mit Steigeisen und angeseilt.
Beim Abstieg durch eine steile Eisrinne kamen uns Touristen mit Kindern und mit Turnschuhen entgegen. Obwohl sie unserer Bergführer aufforderte, zurückzugehen, machten sie weiter. Er hatte keine Möglichkeit, sie am Aufstieg zu hindern, schimpfte aber, weil er auch Mitglied der Bergwacht war und wusste, wozu das führen konnte. Gegen 15 Uhr waren wir wieder an der Bleslauer Hütte, tranken Kaffee und machten uns auf den Rückweg zur Seilbahn.
Den Vater des Bergführers hatte der Hüttenwirt noch nicht gesehen. Wer weiß, wie lange diese Gruppe gebraucht hat.
Hans-Joachim und ich setzten uns in die Seilbahn und ich äußerte meine Vermutung, dass Karin mich bestimmt abholen würde. Und dem war so, wir schwebten über die letzte Bergwiese, da winkte sie bereits – meine Bergsteigerbraut.
 
Karin ahnte damals nicht: Sie hatte meine Beisterung "Berge in Eis und Schnee" geweckt.
 
Meine Bergeinschätzung: Bestens geeignet für Anfänger mit guter Kondition. Hier lernt man den Umgang mit Steigeisen und das Gehen in einer Seilschaft.
                                                Man hat Felskletterei einfacher Art, sollte aber kein "Hasenfuß" sein.
                                                Übernachtung im Massenquartier ist auch Erfahrungssache und der Blick vom Berg ist einmalig.
 
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